Trauermücken bekämpfen Teil2:
- Steffen Gehre
- 10. Juni
- 5 Min. Lesezeit
BTI und Micro Ento im Wurzelraum
Der wichtigste Teil jeder erfolgreichen Trauermückenbekämpfung findet dort statt, wo die eigentlichen Schädlinge leben: im Wurzelraum.
Viele Grower konzentrieren sich auf die fliegenden Tiere. Diese sind jedoch lediglich das sichtbare Symptom. Die eigentliche Population befindet sich im Substrat.
Hier setzt die Kombination aus BTI und Micro Ento an.
Die besondere Stärke dieser Kombination besteht darin, dass beide Komponenten auf unterschiedliche Weise gegen die Larven wirken und sich dadurch gegenseitig ergänzen.
Während BTI die Larven nach der Aufnahme im Darm schädigt, besiedeln die Mikroorganismen aus Micro Ento den gesamten Wurzelraum und erzeugen zusätzlichen biologischen Druck auf die Population.
Dadurch entsteht ein Wirkprinzip, das deutlich umfassender ist als der Einsatz eines einzelnen Produkts.
BTI – Bacillus thuringiensis israelensis
BTI zählt weltweit zu den am besten untersuchten biologischen Wirkstoffen gegen Larven von Zweiflüglern.
Dabei handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Bodenbakterium.
Während seines Lebenszyklus produziert BTI spezielle Eiweißkristalle.
Nimmt eine Trauermückenlarve diese Kristalle auf, werden sie im Darm aktiviert.
Die Folge:
Schädigung der Darmwand
sofortiger Fraßstopp
Bewegungsstopp
Absterben der Larve
Der große Vorteil:
BTI wirkt äußerst selektiv.
Es schädigt:
keine Pflanzen
keine Regenwürmer
keine Mykorrhiza
keine Trichoderma-Pilze
keine nützlichen Bodenbakterien
Gerade für Living-Soil-Systeme ist das ein entscheidender Vorteil.
Die Grenzen von BTI
BTI besitzt jedoch eine wichtige Schwäche.
Es wirkt ausschließlich gegen Larven.
Nicht gegen:
Eier
Puppen
adulte Tiere
Genau deshalb reicht BTI allein häufig nicht aus.
Viele Grower beobachten zunächst einen starken Rückgang der Population.
Wenige Tage später treten erneut Tiere auf.
Nicht weil BTI versagt hat.
Sondern weil inzwischen neue Larven aus zuvor abgelegten Eiern geschlüpft sind.
BTI beseitigt die vorhandenen Larven sehr effektiv.
Es verhindert jedoch nicht automatisch die nächste Generation.
Micro Ento – die biologische Ergänzung
Hier kommt Micro Ento ins Spiel.
Micro Ento enthält spezialisierte Mikroorganismen, die den Wurzelraum besiedeln und zusätzlichen Druck auf die Larvenpopulation ausüben.
Die Vorteile:
Besiedlung des gesamten Wurzelraums
Erreichen schwer zugänglicher Bereiche
Unterstützung biologischer Gleichgewichte
zusätzliche Kontrolle von Larven
Förderung eines aktiven Bodenlebens
langfristige Stabilisierung des Mikrobioms
Besonders interessant ist die Wirkung im unteren Bereich des Topfes.
Während viele Maßnahmen vor allem die Oberfläche erreichen, gelangen Mikroorganismen mit dem Gießwasser auch in die Drainzone.
Genau dort befindet sich häufig die zweite Population der Trauermücken.
Chitin – der unterschätzte Schwachpunkt der Larven
Ein weiterer Vorteil von Micro Ento liegt in den enthaltenen Mikroorganismen, die chitinabbauende Enzyme produzieren können.
Um diese Wirkung zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Biologie der Trauermückenlarven.
Das Exoskelett einer Insektenlarve besteht zu einem großen Teil aus Chitin.
Chitin ist ein natürliches Strukturmaterial.
Es verleiht:
Stabilität
Schutz
mechanische Festigkeit
dem Körper der Larve.
Ohne Chitin wäre die Larve nicht lebensfähig.
Genau hier setzt ein Teil der Mikroorganismen aus Micro Ento an.
Bestimmte Bakterien und Pilze produzieren sogenannte Chitinasen.
Diese Enzyme sind in der Lage, Chitin abzubauen.
Da Chitin ein wichtiger Bestandteil des Exoskeletts der Larven ist, entsteht zusätzlicher biologischer Druck auf die Population.
Die Synergie von BTI und chitinabbauenden Mikroorganismen
Hier wird die eigentliche Stärke der Kombination sichtbar.
BTI wirkt von innen.
Micro Ento wirkt von außen.
BTI wird von den Larven aufgenommen und zerstört den Verdauungstrakt.
Chitinolytische Mikroorganismen greifen die äußeren Schutzstrukturen an.
Dadurch werden die Larven gleichzeitig auf mehreren biologischen Ebenen belastet.
Man kann sich das wie einen Angriff von zwei Seiten vorstellen.
BTI schädigt die Larve intern.
Micro Ento destabilisiert ihre äußeren Schutzmechanismen.
Dadurch entsteht eine deutlich stärkere Gesamtwirkung als durch BTI allein.
Zusätzlicher Nutzen für Living Soil
Der Chitinabbau besitzt noch einen weiteren Vorteil.
Wenn Chitin durch Mikroorganismen zersetzt wird, entstehen Chitinfragmente.
Diese Fragmente dienen wiederum vielen Bodenorganismen als Nahrung.
In biologisch aktiven Böden wird Chitin häufig mit der Förderung nützlicher Mikroorganismen und natürlicher Gegenspieler von Schaderregern in Verbindung gebracht.
Micro Ento wirkt daher nicht nur gegen Trauermückenlarven.
Es unterstützt gleichzeitig:
die mikrobielle Vielfalt
die biologische Aktivität
die Stabilität des Bodenökosystems
Gerade in Living-Soil-Systemen ist dies ein wesentlicher Vorteil gegenüber rein chemischen Lösungen.
Die Synergie von BTI und Micro Ento
BTI wirkt schnell.
Micro Ento wirkt langfristig.
BTI reduziert die aktive Larvenpopulation.
Micro Ento besiedelt den Lebensraum der Larven.
BTI wirkt primär über den Darm.
Micro Ento ergänzt diese Wirkung durch Mikroorganismen, die Chitin abbauen und dadurch zusätzlichen biologischen Druck auf die Larven ausüben.
Dadurch entsteht eine deutlich stabilere Kontrolle als durch BTI allein.
Eigenschaft | BTI | Micro Ento |
Schnelle Wirkung | Sehr hoch | Mittel |
Langfristige Wirkung | Mittel | Hoch |
Wirkung im Wurzelraum | Hoch | Hoch |
Chitinabbau | Nein | Ja |
Besiedlung des Wurzelraums | Nein | Ja |
Förderung des Bodenlebens | Gering | Hoch |
Wirkung in Drainlöchern | Mittel | Hoch |
Living-Soil-Verträglichkeit | Sehr hoch | Sehr hoch |
Neemkuchen und Kieselgur an der Oberfläche
Während BTI und Micro Ento im Wurzelraum arbeiten, konzentriert sich Surface Shield auf die Oberfläche.
Genau dort beginnt jede neue Generation.
Die meisten Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in den oberen Zentimetern eines feuchten Substrats ab.
Wer die Oberfläche kontrolliert, reduziert automatisch die nächste Generation.
Neemkuchen – die natürliche Eiablagebremse
Neemkuchen entsteht als Nebenprodukt der Ölgewinnung aus den Samen des Neembaums.
Er enthält zahlreiche bioaktive Pflanzenstoffe.
Besonders bekannt ist Azadirachtin.
Neem beeinflusst:
Fraßverhalten
Entwicklung
Fortpflanzung
Eiablage
Für die Trauermückenbekämpfung ist vor allem der Einfluss auf die Eiablage interessant.
Die Oberfläche wird für die Weibchen deutlich unattraktiver.
Dadurch werden weniger neue Eier abgelegt.
Neem bekämpft somit nicht primär die vorhandene Population.
Es verhindert den Aufbau der nächsten Generation.
Kieselgur – die physikalische Barriere
Kieselgur besteht aus fossilen Kieselalgen.
Unter dem Mikroskop besitzen die Partikel scharfkantige Strukturen.
Diese beschädigen die schützende Wachsschicht vieler Insekten.
Die Folge:
Wasserverlust
Austrocknung
eingeschränkte Beweglichkeit
verringerte Überlebensrate
Im Gegensatz zu chemischen Wirkstoffen entsteht dabei keine Resistenz.
Die Wirkung beruht ausschließlich auf Physik.
Warum Neem und Kieselgur gemeinsam besser funktionieren
Neem reduziert die Eiablage.
Kieselgur reduziert die Beweglichkeit der adulten Tiere.
Gemeinsam entsteht eine wirksame Oberflächenbarriere.
Wirkung | Neem | Kieselgur |
Eiablage reduzieren | Hoch | Gering |
Adulte Tiere beeinträchtigen | Mittel | Hoch |
Resistenzbildung | Nein | Nein |
Living-Soil-Verträglichkeit | Hoch | Hoch |
Das Lebenszyklus-Modell von Necro Fly 2.0
Um die Wirkungsweise zu verstehen, hilft ein Blick auf den Lebenszyklus.
Ei
↓
Larve
↓
Puppe
↓
Adulte Trauermücke
↓
Neue Eiablage
Nun greifen die Komponenten an unterschiedlichen Punkten ein.
Stadium | BTI | Micro Ento | Neem | Kieselgur |
Ei | ❌ | ❌ | ⚠️ Eiablagehemmung | ❌ |
Larve | ✅ | ✅ | ⚠️ | ⚠️ |
Puppe | ❌ | ⚠️ | ⚠️ | ⚠️ |
Adult | ❌ | ❌ | ⚠️ | ✅ |
Diese Tabelle zeigt die größte Herausforderung der biologischen Bekämpfung:
Die Eier bleiben weitgehend unbeeinflusst.
Genau deshalb sind Wiederholungsanwendungen notwendig.
Warum drei Anwendungen notwendig sind
Viele Grower erleben immer wieder dieselbe Situation.
Nach der ersten Behandlung verschwinden die meisten Trauermücken scheinbar vollständig.
Die Gelbtafeln bleiben leer.
Beim Gießen steigen kaum noch Tiere auf.
Eine Woche später tauchen plötzlich wieder Trauermücken auf.
Der erste Gedanke lautet häufig:
„Das Produkt hat nicht funktioniert.“
Tatsächlich ist meist das Gegenteil der Fall.
Die vorhandenen Larven wurden erfolgreich beseitigt.
Die Ursache für die neuen Tiere sind Eier, die bereits vor der Behandlung im Substrat lagen.
Diese Eier besitzen eine schützende Hülle und werden von den meisten biologischen Maßnahmen nicht zuverlässig erfasst.
Warum eine Behandlung nicht ausreicht
Stellen wir uns vor:
Tag 0
100 Larven
50 adulte Tiere
200 Eier
Die erste Behandlung beseitigt:
den Großteil der Larven
einen Teil der adulten Tiere
Die Eier bleiben erhalten.
Einige Tage später schlüpfen daraus neue Larven.
Deshalb folgt die zweite Behandlung.
Diese erfasst die inzwischen geschlüpften Larven.
Erst die dritte Behandlung sorgt dafür, dass auch die letzten Nachzügler erfasst werden.
Das empfohlene Behandlungsschema
Tag | Maßnahme |
Tag 0 | Behandlung 1 |
Tag 7 | Behandlung 2 |
Tag 14 | Behandlung 3 |
Tag 21 | Kontrolle |
Mit diesem Schema lassen sich selbst starke Populationen meist zuverlässig zusammenbrechen.
Praxisversuch im Living Soil
In mehreren Living-Soil-Chargen wurde die kombinierte Strategie getestet.
Ausgangssituation:
stark humushaltiges Substrat
dauerhaft feuchte Bedingungen
sichtbarer Trauermückenbefall
Tag 0
Parameter | Beobachtung |
Adulte Tiere | sehr stark |
Larven | sehr stark |
Pflanzenwachstum | beeinträchtigt |
Tag 7
Nach Behandlung 1
Geschätzte Reduktion:
60–70 %
Tag 14
Nach Behandlung 2
Geschätzte Reduktion:
90–95 %
Tag 21
Nach Behandlung 3
Geschätzte Reduktion:
nahezu vollständige Kontrolle
Die wichtigste Erkenntnis aus der Praxis
Nicht die Stärke der einzelnen Wirkstoffe entscheidet über den Erfolg.
Entscheidend ist die gleichzeitige Behandlung von:
Oberfläche
Wurzelraum
Drainlöchern
Untersetzern
Nur so werden beide Populationen erfasst und der Lebenszyklus der Trauermücke nachhaltig unterbrochen.
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