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Trauermücken bekämpfen Teil2:

BTI und Micro Ento im Wurzelraum

Der wichtigste Teil jeder erfolgreichen Trauermückenbekämpfung findet dort statt, wo die eigentlichen Schädlinge leben: im Wurzelraum.

Viele Grower konzentrieren sich auf die fliegenden Tiere. Diese sind jedoch lediglich das sichtbare Symptom. Die eigentliche Population befindet sich im Substrat.

Hier setzt die Kombination aus BTI und Micro Ento an.

Die besondere Stärke dieser Kombination besteht darin, dass beide Komponenten auf unterschiedliche Weise gegen die Larven wirken und sich dadurch gegenseitig ergänzen.

Während BTI die Larven nach der Aufnahme im Darm schädigt, besiedeln die Mikroorganismen aus Micro Ento den gesamten Wurzelraum und erzeugen zusätzlichen biologischen Druck auf die Population.

Dadurch entsteht ein Wirkprinzip, das deutlich umfassender ist als der Einsatz eines einzelnen Produkts.

BTI – Bacillus thuringiensis israelensis

BTI zählt weltweit zu den am besten untersuchten biologischen Wirkstoffen gegen Larven von Zweiflüglern.

Dabei handelt es sich um ein natürlich vorkommendes Bodenbakterium.

Während seines Lebenszyklus produziert BTI spezielle Eiweißkristalle.

Nimmt eine Trauermückenlarve diese Kristalle auf, werden sie im Darm aktiviert.

Die Folge:

  • Schädigung der Darmwand

  • sofortiger Fraßstopp

  • Bewegungsstopp

  • Absterben der Larve

Der große Vorteil:

BTI wirkt äußerst selektiv.

Es schädigt:

  • keine Pflanzen

  • keine Regenwürmer

  • keine Mykorrhiza

  • keine Trichoderma-Pilze

  • keine nützlichen Bodenbakterien

Gerade für Living-Soil-Systeme ist das ein entscheidender Vorteil.

Die Grenzen von BTI

BTI besitzt jedoch eine wichtige Schwäche.

Es wirkt ausschließlich gegen Larven.

Nicht gegen:

  • Eier

  • Puppen

  • adulte Tiere

Genau deshalb reicht BTI allein häufig nicht aus.

Viele Grower beobachten zunächst einen starken Rückgang der Population.

Wenige Tage später treten erneut Tiere auf.

Nicht weil BTI versagt hat.

Sondern weil inzwischen neue Larven aus zuvor abgelegten Eiern geschlüpft sind.

BTI beseitigt die vorhandenen Larven sehr effektiv.

Es verhindert jedoch nicht automatisch die nächste Generation.

Micro Ento – die biologische Ergänzung

Hier kommt Micro Ento ins Spiel.

Micro Ento enthält spezialisierte Mikroorganismen, die den Wurzelraum besiedeln und zusätzlichen Druck auf die Larvenpopulation ausüben.

Die Vorteile:

  • Besiedlung des gesamten Wurzelraums

  • Erreichen schwer zugänglicher Bereiche

  • Unterstützung biologischer Gleichgewichte

  • zusätzliche Kontrolle von Larven

  • Förderung eines aktiven Bodenlebens

  • langfristige Stabilisierung des Mikrobioms

Besonders interessant ist die Wirkung im unteren Bereich des Topfes.

Während viele Maßnahmen vor allem die Oberfläche erreichen, gelangen Mikroorganismen mit dem Gießwasser auch in die Drainzone.

Genau dort befindet sich häufig die zweite Population der Trauermücken.

Chitin – der unterschätzte Schwachpunkt der Larven

Ein weiterer Vorteil von Micro Ento liegt in den enthaltenen Mikroorganismen, die chitinabbauende Enzyme produzieren können.

Um diese Wirkung zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Biologie der Trauermückenlarven.

Das Exoskelett einer Insektenlarve besteht zu einem großen Teil aus Chitin.

Chitin ist ein natürliches Strukturmaterial.

Es verleiht:

  • Stabilität

  • Schutz

  • mechanische Festigkeit

dem Körper der Larve.

Ohne Chitin wäre die Larve nicht lebensfähig.

Genau hier setzt ein Teil der Mikroorganismen aus Micro Ento an.

Bestimmte Bakterien und Pilze produzieren sogenannte Chitinasen.

Diese Enzyme sind in der Lage, Chitin abzubauen.

Da Chitin ein wichtiger Bestandteil des Exoskeletts der Larven ist, entsteht zusätzlicher biologischer Druck auf die Population.

Die Synergie von BTI und chitinabbauenden Mikroorganismen

Hier wird die eigentliche Stärke der Kombination sichtbar.

BTI wirkt von innen.

Micro Ento wirkt von außen.

BTI wird von den Larven aufgenommen und zerstört den Verdauungstrakt.

Chitinolytische Mikroorganismen greifen die äußeren Schutzstrukturen an.

Dadurch werden die Larven gleichzeitig auf mehreren biologischen Ebenen belastet.

Man kann sich das wie einen Angriff von zwei Seiten vorstellen.

BTI schädigt die Larve intern.

Micro Ento destabilisiert ihre äußeren Schutzmechanismen.

Dadurch entsteht eine deutlich stärkere Gesamtwirkung als durch BTI allein.

Zusätzlicher Nutzen für Living Soil

Der Chitinabbau besitzt noch einen weiteren Vorteil.

Wenn Chitin durch Mikroorganismen zersetzt wird, entstehen Chitinfragmente.

Diese Fragmente dienen wiederum vielen Bodenorganismen als Nahrung.

In biologisch aktiven Böden wird Chitin häufig mit der Förderung nützlicher Mikroorganismen und natürlicher Gegenspieler von Schaderregern in Verbindung gebracht.

Micro Ento wirkt daher nicht nur gegen Trauermückenlarven.

Es unterstützt gleichzeitig:

  • die mikrobielle Vielfalt

  • die biologische Aktivität

  • die Stabilität des Bodenökosystems

Gerade in Living-Soil-Systemen ist dies ein wesentlicher Vorteil gegenüber rein chemischen Lösungen.

Die Synergie von BTI und Micro Ento

BTI wirkt schnell.

Micro Ento wirkt langfristig.

BTI reduziert die aktive Larvenpopulation.

Micro Ento besiedelt den Lebensraum der Larven.

BTI wirkt primär über den Darm.

Micro Ento ergänzt diese Wirkung durch Mikroorganismen, die Chitin abbauen und dadurch zusätzlichen biologischen Druck auf die Larven ausüben.

Dadurch entsteht eine deutlich stabilere Kontrolle als durch BTI allein.

Eigenschaft

BTI

Micro Ento

Schnelle Wirkung

Sehr hoch

Mittel

Langfristige Wirkung

Mittel

Hoch

Wirkung im Wurzelraum

Hoch

Hoch

Chitinabbau

Nein

Ja

Besiedlung des Wurzelraums

Nein

Ja

Förderung des Bodenlebens

Gering

Hoch

Wirkung in Drainlöchern

Mittel

Hoch

Living-Soil-Verträglichkeit

Sehr hoch

Sehr hoch

Neemkuchen und Kieselgur an der Oberfläche

Während BTI und Micro Ento im Wurzelraum arbeiten, konzentriert sich Surface Shield auf die Oberfläche.

Genau dort beginnt jede neue Generation.

Die meisten Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in den oberen Zentimetern eines feuchten Substrats ab.

Wer die Oberfläche kontrolliert, reduziert automatisch die nächste Generation.

Neemkuchen – die natürliche Eiablagebremse

Neemkuchen entsteht als Nebenprodukt der Ölgewinnung aus den Samen des Neembaums.

Er enthält zahlreiche bioaktive Pflanzenstoffe.

Besonders bekannt ist Azadirachtin.

Neem beeinflusst:

  • Fraßverhalten

  • Entwicklung

  • Fortpflanzung

  • Eiablage

Für die Trauermückenbekämpfung ist vor allem der Einfluss auf die Eiablage interessant.

Die Oberfläche wird für die Weibchen deutlich unattraktiver.

Dadurch werden weniger neue Eier abgelegt.

Neem bekämpft somit nicht primär die vorhandene Population.

Es verhindert den Aufbau der nächsten Generation.

Kieselgur – die physikalische Barriere

Kieselgur besteht aus fossilen Kieselalgen.

Unter dem Mikroskop besitzen die Partikel scharfkantige Strukturen.

Diese beschädigen die schützende Wachsschicht vieler Insekten.

Die Folge:

  • Wasserverlust

  • Austrocknung

  • eingeschränkte Beweglichkeit

  • verringerte Überlebensrate

Im Gegensatz zu chemischen Wirkstoffen entsteht dabei keine Resistenz.

Die Wirkung beruht ausschließlich auf Physik.

Warum Neem und Kieselgur gemeinsam besser funktionieren

Neem reduziert die Eiablage.

Kieselgur reduziert die Beweglichkeit der adulten Tiere.

Gemeinsam entsteht eine wirksame Oberflächenbarriere.

Wirkung

Neem

Kieselgur

Eiablage reduzieren

Hoch

Gering

Adulte Tiere beeinträchtigen

Mittel

Hoch

Resistenzbildung

Nein

Nein

Living-Soil-Verträglichkeit

Hoch

Hoch

Das Lebenszyklus-Modell von Necro Fly 2.0

Um die Wirkungsweise zu verstehen, hilft ein Blick auf den Lebenszyklus.

Ei

Larve

Puppe

Adulte Trauermücke

Neue Eiablage

Nun greifen die Komponenten an unterschiedlichen Punkten ein.

Stadium

BTI

Micro Ento

Neem

Kieselgur

Ei

⚠️ Eiablagehemmung

Larve

⚠️

⚠️

Puppe

⚠️

⚠️

⚠️

Adult

⚠️

Diese Tabelle zeigt die größte Herausforderung der biologischen Bekämpfung:

Die Eier bleiben weitgehend unbeeinflusst.

Genau deshalb sind Wiederholungsanwendungen notwendig.

Warum drei Anwendungen notwendig sind

Viele Grower erleben immer wieder dieselbe Situation.

Nach der ersten Behandlung verschwinden die meisten Trauermücken scheinbar vollständig.

Die Gelbtafeln bleiben leer.

Beim Gießen steigen kaum noch Tiere auf.

Eine Woche später tauchen plötzlich wieder Trauermücken auf.

Der erste Gedanke lautet häufig:

„Das Produkt hat nicht funktioniert.“

Tatsächlich ist meist das Gegenteil der Fall.

Die vorhandenen Larven wurden erfolgreich beseitigt.

Die Ursache für die neuen Tiere sind Eier, die bereits vor der Behandlung im Substrat lagen.

Diese Eier besitzen eine schützende Hülle und werden von den meisten biologischen Maßnahmen nicht zuverlässig erfasst.

Warum eine Behandlung nicht ausreicht

Stellen wir uns vor:

Tag 0

  • 100 Larven

  • 50 adulte Tiere

  • 200 Eier

Die erste Behandlung beseitigt:

  • den Großteil der Larven

  • einen Teil der adulten Tiere

Die Eier bleiben erhalten.

Einige Tage später schlüpfen daraus neue Larven.

Deshalb folgt die zweite Behandlung.

Diese erfasst die inzwischen geschlüpften Larven.

Erst die dritte Behandlung sorgt dafür, dass auch die letzten Nachzügler erfasst werden.

Das empfohlene Behandlungsschema

Tag

Maßnahme

Tag 0

Behandlung 1

Tag 7

Behandlung 2

Tag 14

Behandlung 3

Tag 21

Kontrolle

Mit diesem Schema lassen sich selbst starke Populationen meist zuverlässig zusammenbrechen.

Praxisversuch im Living Soil

In mehreren Living-Soil-Chargen wurde die kombinierte Strategie getestet.

Ausgangssituation:

  • stark humushaltiges Substrat

  • dauerhaft feuchte Bedingungen

  • sichtbarer Trauermückenbefall

Tag 0

Parameter

Beobachtung

Adulte Tiere

sehr stark

Larven

sehr stark

Pflanzenwachstum

beeinträchtigt

Tag 7

Nach Behandlung 1

Geschätzte Reduktion:

60–70 %

Tag 14

Nach Behandlung 2

Geschätzte Reduktion:

90–95 %

Tag 21

Nach Behandlung 3

Geschätzte Reduktion:

nahezu vollständige Kontrolle

Die wichtigste Erkenntnis aus der Praxis

Nicht die Stärke der einzelnen Wirkstoffe entscheidet über den Erfolg.

Entscheidend ist die gleichzeitige Behandlung von:

  • Oberfläche

  • Wurzelraum

  • Drainlöchern

  • Untersetzern

Nur so werden beide Populationen erfasst und der Lebenszyklus der Trauermücke nachhaltig unterbrochen.

 
 
 

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